Der Umgang mit Toiletten wird bestimmt durch den gesellschaftlich geprägten Umgang mit dem eigenen Körper. Ausscheidungsprozesse sind heutzutage eine tabuisierte Handlung. Die körperliche Verrichtung ist intime Handlung. Bei der Benutzung von Sanitärgegenständen gibt es ein hohes Niveau von Gewohnheit und Vertrautheit.
Doch wie hat sich entwickelt was uns heute gewohnt und vertraut ist?
Vor der Erfindung des wassergespülten Klosetts wurde zum Urinieren beinahe jeder Ort außerhalb des Hauses benutzt – eine Gewohnheit, die bis Mitte des 19.Jhd noch nicht als anstößig empfunden wurde. Ab 1900 – 1930 wurden WCs in Privathaushalten installiert. Durch diese Verhäuslichung wurden Toiletten mehr und mehr zu Gegenständen des intimen Gebrauchs und tabuisiert. Noch 1954 hatten jedoch nur 27% der Haushalte in Deutschland in innenliegendes WC.
Doch austreten mussten die Menschen schon immer. Also
Die nomandiesierenden Völker gruben abseits ein Loch in die Erde, schüttete es zu und fertig. Sie zogen irgendwann weiter und keinen kümmerte es. Von diesem Loch in der Erde, das nach einmaliger Benutzung zugeschüttet wird, berichtet auch die Bibel im alten Testament:
Reinhaltung des Kriegslagers
Und du sollst draußen vor dem Lager einen Platz haben, wohin du zur Notdurft hinausgehst.
Und du sollst eine Schaufel haben und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du damit graben; und wenn du gesessen hast, sollst du zuscharren, was von dir gegangen ist.
Denn der HERR, dein Gott, zieht mit dir inmitten deines Lagers, um dich zu erretten und deine Feinde vor dir dahinzugeben. Darum soll dein Lager heilig sein, dass nichts Schändliches unter dir gesehen werde und er sich von dir wende. 5.Mose 23 (LUT)
Im Laufe der Zeit wurden die Völker sesshaft. Wird die Siedlung größer, wird das Loch zur Grube, zur Latrine, jetzt sind erste Vorrichtungen notwendig um ein Stürzen in die Grube zu verhindern. Baumstämme, Äste und Stangen dienen als Sitzmöglichkeit. Eine Weiterentwicklung davon sind Bretter oder Platten mit Löchern oder Schlitzen unter denen die Grube ist. Hier kann man vom Beginn der Toilette als Objekt sprechen, denn vorher war es nur eine Öffnung.
Bereits 2800 vor Chr. wurden auf dem Orkney Inseln in Häusern Nischen eingebaut mit Abzugsgräben. Mitte des 3. Jahrtausends vor Chr. gab es im Gebiet des heutigen Indiens/Pakistans Sitztoiletten mit Abflussleitungen, Gefälle und Abdichtungen aus Bitumen.
2400 vor Chr. hatte man in Mesopotamien nebeneinanderliegende Sitztoiletten mit asphaltverkleideten Rinnen und Wassergefäßen neben der Toilette.
Um 1700 vor Chr. bauten die Minoer auf Kreta und Santorin wassergespülte Toiletten mit Holzsitzen.
Vielen ist sicher bekannt, dass die Römer ein ausgeklügeltes Abwassersystem hatten. In Rom wurden öffentliche Toiletten von Staat betrieben oder an Pächter vermietet. So gab es im 4 Jhr. n. Chr. 144 Latrinen und 254 necessaria (Pissstände). Zu dieser Zeit lebten in Rom bis zu 1,5 Millionen Menschen auf sehr engem Raum – 110.000 Menschen pro km² (zum Vergleich München Ende des 20 Jhd. 4200 pro km²). Die Latrinen waren öffentlichen Anlagen mit mehreren Sitzen in einem Raum. Meist waren es steinernen Bänke mit Abortsitzen, vor denen eine schmale Rinne verläuft. Unter den Sitzen führt ein Wasserkanal den Inhalt direkt in die legendäre Cloaca Maxima. Aus dem verschütteten Pompeji ist die Inschrift eines Pächters überliefert, der schrieb mahnend an die Häuserwände: „Cacator cave malum! Aut si contempseris, habeas Jovem iratum!“ – „Hüte Dich, auf die Straße zu kacken! Sonst wird Dich Jupiters Zorn treffen!“
Die Pissoirs wurden von Urinsammlern betrieben, dieser wurde zum Waschen (Ammoniak löst hervorragend Schmutz) Färben und zum Gerben verwendet. Kaiser Vespasian besteuerte den Harn, überliefert ist der Ausspruch zu seinem Sohn Titus: „Non olet“ – es stinkt nicht. Die Prachtlatrinen waren ein Treffpunkt mit Luxus. Säulen, Mosaiken, Fußbodenheizung und rezitierenden Dichtern. Sicher war es kein „Stilles Örtchen“, denn es gab Platz für 50 bis 60 Leute.
Als das römische Reich im 6. Jhr. zerfiel, geriet das Wissen über die sanitären Anlagen in Vergessenheit - alles was die Hochkulturen in den vergangenen Jahrtausenden erfunden und installiert hatten. Man hauste in zugigen Burgen und für Körperhygiene war nicht viel Zeit, man entleerte sich dort, wo es gerade nötig war. In den Burgen gab es Abtrittswinkel, wo man sich hinhockte und alles per Fallrohr in den Burggraben platschen ließ.
Als erstes wurde dann in Klöstern wieder Wasser für hygienische Zwecke genutzt, die Abtritte wurden so in die Anlagen integriert, dass zum Beispiel ein Fluß die Ausscheidung wegspülte. Ansonsten war die Bevölkerungsdichte so gering, dass die Entsorgung der Fäkalien noch kein wichtiges Problem darstellte.
Normalerweise waren die Aborte noch außerhalb der Wohngebäude, innerhalb gab es verschiedene Gefäße (Eimer, Nachttöpfe, Leibstühle). In der mittelalterlichen Stadt rannten noch Schweine und Hühner umher, es gab Misthaufen und der Nachttopf wurde aus dem Fenster gekippt. In Frankreich schrie man, bevor man schüttete drei Mal „Gardez l’eau“. Auf den Straßen stank es erbärmlich. Öffentliche Bedürfnisanstalten gab es in den meisten europäischen Städten jedoch immer noch, meist in der Nähe des Stadttores oder von Brücken.