1970 wurde die Schule gebaut. Waschbetonfassade und grüne Fenster, so haben wir die Schule auch noch kennengelernt. Vor nicht ganz 2 Jahren wurde die alte Fassade abgebaut, die Schule war nackt und wir hatten Unterricht in Containern. Doch im Inneren des Gebäudes war gar nichts geplant, nicht mal der Anstrich der Gipskartonplatten an den neu eingebauten Fenstern. So entstand die Idee, dass wir, die Schüler, mit fachlichem Rat ein Gesamtkonzept entwickeln, um unsere Schule schöner zu machen.
Um Unterstützung zu bekommen, baten wir die Architektenkammer um Hilfe und bewarben uns im Juni 2007 um Aufnahme in die Projektreihe „KidS – Kammer in der Schule“. In einem Brief schilderten wir alle Probleme: spärliche Beleuchtung, düstere Wandfarben, fehlendes Mobiliar, sogar einige Verbesserungsvorschläge waren schon enthalten.
Es entstand eine Arbeitsgemeinschaft „Architektur und Gestaltung“ – kurz AG „AG“. Um alle Schüler der Schule zu beteiligen, wurden Wunschzettel entworfen und in den Klassen verteilt. Jede Klasse hatte 3 Wünsche frei, was in der Schule verändert werden soll. Die Favoriten waren:
Da es leider keine gute Fee gibt, die uns die drei Wünsche erfüllt, so mussten wir auch das notwendige Geld organisieren. Als erstes starteten wir eine Alt-EU-Währungs-Aktion mit allen Schülern. Wir haben die alten Währungen der Länder gesammelt, die heute den Euro haben, also D-Mark, Französische Franc und zusätzlich auch noch das Geld aus dem Urlaub, Türkische Lira, US Dollar und Ähnliches, die dann von einer Bank getauscht wurden. In der ersten Runde kamen bereits 26 kg zusammen.
Außerdem sammelten wir während der Projekttage alte, defekte Handys. Dafür bekommen wir 1,50€ und zusätzlich erhält die Deutsche Umwelthilfe ebenfalls noch mal 1,50€ für jedes Handy von der Deutschen Telekom. Natürlich haben wir auch Sponsorenbriefe geschrieben, in denen wir um Geld, Material und helfende Hände baten.
Danach begannen wir mit den fast 1-jährigen Planungen. Wöchentlich trafen wir uns mit der Architektin Frau Annett Wunderlich und der Lehrerin Frau Polten. Wir besprachen immer einige theoretische Grundlagen, z.B. über Farbe, Brandschutz oder Sitzmöbel, um dies dann konkret auf unsere Schule anzuwenden.
Die Toiletten standen unter dem Motto „Wir wollen müssen dürfen“. Wir verbringen täglich zwischen 6 und 10 Stunden in der Schule. Zur Toilette gehen ist ein Muss. Aber die Situation war unbeschreiblich: Schrecklicher Gestank, fehlende Toilettenbrillen, keine Seife, kein Toilettenpapier, nichts womit man sich die Hände abtrocknen kann.
Solche Orte wurden von den Schülern natürlich auch nicht pfleglich behandelt. Heruntergerissene Papierspender, beschmierte Wände, demolierte Trennwände. Viele von uns gingen gar nicht auf das Schülerklo. Unser Ziel war, dass wir uns dort wohl fühlen, dass man sich traut, auf die Toilette zu gehen.
Wir standen vor der kniffligen Aufgabe, nicht nur zu renovieren, sondern mit Veränderungen auch den Vandalismus einzudämmen. So entstand der Plan, eine Mustertoilette zu machen. Dort wollten wir ausprobieren, was sich bewährt.
Zusätzlich haben wir uns in einem Workshop mit dem Titel „Vandalismus oder Kreativität“ mit einem Künstler und Designer etwas überlegt, um zukünftig die Schmierereien zu verhindern: Jetzt darf jeder seine Sprüche auf einer dafür vorgesehenen Fläche hinterlassen, ohne dass Sachen beschädigt werden.